Ökologie und Risiken

Abfalltourismus statt kurze Transportwege

Kanton und Deponiebetreiber weisen warnend darauf hin, dass sich im nördlichen Teil des Kantons Luzern ein Engpass für Deponieraum anbahne. Aber gleichzeitig wird sogar Material aus weit entfernten Gebieten importiert !

Durch die tiefen Transportkosten ist es für Bauunternehmen – gerade bei Grossprojekten – sehr lohnend, Bauschutt auch über weite Strecken zu transportieren, wenn ein Deponiebetreiber die Endlagerung billig anbietet.

Land für eine Deponie kann in Buchs sehr günstig genutzt werden. Deshalb wird bereits heute aus weit entfernten Gebieten Material auf die Deponie Buchs herangekarrt. In Buchs liegt beispielsweise Material aus der Stadt Zürich oder von der ehemaligen Sondermülldeponie Kölliken. Der Spruch „lokal produziert – lokal deponiert“ aus dem Hochglanzprospekt des Betreibers ist also eine leere Worthülse. Wenn billig deponiert werden kann, spielt Ökologie keine Rolle mehr.

Und solange es billig ist, Material einfach irgendwo zu vergraben, hat Recycling dagegen einen schweren Stand. So ist es nicht verwunderlich, dass aus dem Mittelland ein stetiger Strom von Abfall nach Buchs fliesst.

Der Kanton Luzern ist offensichtlich nicht gewillt, diesem Treiben einen Riegel vorzuschieben. Er hat lediglich weiche „Ziele“ definiert, wieviel Abfall importiert werden soll. Diese Ziele werden regelmässig verfehlt:

„Stärker als die Lieferungen aus dem Kanton Luzern stiegen jene aus anderen Kantonen. Mit 28 Prozent Importen wurde das in der kantonalen Abfallplanung formulierte Ziel von durchschnittlich 20 Prozent verfehlt.“ Zitat aus: Kanton Luzern, lustat aktuell März 2018

Da die Deponie im Norden des Kantons Luzern liegt, wird übrigens das meiste Material von Norden her zugeführt – die Lastwagen fahren also durch die Dörfer Dagmersellen und Uffikon.

 

Was ist eigentlich eine Inertstoffdeponie?

Bei der geplanten Erweiterung der Deponie Buchs handelt es sich um eine Inertstoffdeponie desTyps B.

Im Gegensatz zu harmlosen Deponien des Typs A, in denen nur unverschmutztes Aushubmaterial gelagert wird (also Erde und Steine), dienen Deponien des Typs B auch als Endlager für belastete und problematische Stoffe :

  • Chrom VI, Cadmium, Blei, Arsen, Quecksilber
  • Asbesthaltige Bauabfälle mit gebundenen Asbestfasern (Eternit)
  • Gemischte Bauabfälle sowie sonstige verschmutze Bauabfälle
  • Unbearbeitete Schlacke (z.B. Elektroofenschlacke EOS)
  • Importe aus anderen Kantonen

Quelle: https://uwe.lu.ch/-/media/UWE/Dokumente/Themen/Abfall_und_Entsorgung/EGI/2017_041_EGI_LU_VeVA_Codes.pdf

Etwas vereinfacht ausgedrückt darf auf Deponien des Typs B alles gekippt werden, was nach heutigem Wissensstand noch nicht als Sondermüll gilt. Wäre das Material harmlos, so würde es auf Deponien des Typs A endgelagert.
 

Gehören solche Stoffe in ein Wohngebiet ? Gehören solche Stoffe in eine Deponie, deren Entwässerung in den Hürnbach erfolgt ?

Bild: Toter Graureiher im Absetzbecken der Deponie Hächlerenfeld, Buchs, 17.März.2018

 

Droht uns ein zweites Kölliken?

Kanton und Deponiebetreuer beteuern unermüdlich, dass die gesetzlichen Grenzwerte, beispielsweise beim Schmutzwasser (das permanent aus der Deponie sickert und dessen Überlauf in den Hürnbach geleitet wird) eingehalten werden. Eine Deponie stellt aber immer ein gewisses Risiko dar.

Auch die ehemalige Deponie Kölliken galt seinerzeit unter Experten als „idealer Standort“. Das daraus entstandene millionenteure Disaster dürfte hinlänglich bekannt sein:

Bericht NZZ: „Der Standort Kölliken galt unter Experten als geradezu ideal“

Die Wissenschaft gewinnt laufend neue Erkenntnisse. Schadstoffgrenzen werden immer weiter gesenkt. Stoffe, die vor einigen Jahren noch als unbedenklich galten, gelten heute als gefährlich und krebserregend (Stichwort: Betonzusatzstoffe).

Was soll geschehen, wenn in einigen Jahren die Boden- und Wasserproben über den gesetzlichen Grenzwerten liegen? Die problematischen Stoffe sind dann unter haushohen Schuttmassen begraben. Eine einfache Sanierung ist unmöglich. Soll der Abfall dann vor Ort wieder ausgebaggert, gewaschen oder umgelagert werden? Und wer trägt die Kosten?

Die finanziellen Rückstellungen, die der Deponiebetreiber für diesen Fall machen muss, sind völlig ungenügend und fallen kurz nach Abschluss der Deponie an den Betreiber zurück. Probleme werden in der Regel aber erst viel später sichtbar. Dann wird die Allgemeinheit zahlen müssen.

Dass diese Bedenken nicht unbegründet sind, zeigen immer wieder Pressemeldungen wie diese:

Schlacke aus Kölliken heimlich auf andere Deponien verteilt

Übrigens: Wussten Sie, dass mehrere Tausend Tonnen der Deckschicht der ehemaligen Sondermülldeponie Kölliken auf der heutigen Deponie in Buchs liegen ? (Quelle: Quartalsberichte 2011 SMDK Kölliken)

 

Ökologie als Feigenblatt, um Zustimmung zu erheischen

Die geplante Deponieerweiterung wird vom Betreiber in bunten Farben als wahren Segen für die Natur angepriesen. Beim Betrachten des aktuellen Zustands kann dies nur als zynisch bezeichnet werden.

Die wenigen zaghaften ökologischen Aufwertungsmassnahmen – falls diese dereinst überhaupt ausgeführt werden! – sind ein Tropfen auf den heissen Stein im Vergleich zum jahrzehntelangen Baustellenbetrieb mit Schwerverkehr und zur anschliessenden intensiven Landwirtschaft, die auf den rekultivierten Flächen betrieben werden soll.

Hier entsteht also definitiv kein ökologisches Paradies – auch wenn der Deponiebetreiber mit bunten Prospekten gerne diesen Eindruck erwecken möchte. Im Gegenteil:

Wald und Umwelt

Ein grosses Stück ursprünglicher Wald mit alten Bäumen soll der Deponieerweiterung zum Opfer fallen und komplett gerodet werden – nur, um das Deponievolumen noch ein wenig weiter vergrössern zu können. Das überaus wertvolle Gut Wald soll Profitgier und Einzelinteressen geopfert werden.

Durch die Lage der Deponie im offenen und flachen Gelände ist es unmöglich, ein Verzetteln des Materials ins Umland zu verhindern. Bereits heute liegt Müll in den Wiesen rund um die Deponie und gefährdet Tiere und Umwelt.

   

Auch liegen problematische Stoffe offen herum, beispielsweise Asbestplatten. Diese werden vor Ort zerkleinert und verdichtet, wobei die Partikel in die Luft und ins Wasser gelangen. Und wir Buchser wohnen gleich daneben!

Bild: Offen gelagerte Asbestplatten auf der Deponie Buchs, April 2018

Die in grossen Kippern angelieferten gemischten Bauabfälle können in der Praxis unmöglich restlos sortiert werden. Dies wird bei einem Augenschein auf der Deponie offensichtlich. (Bild: Deponie Hächlerenfeld, April 2018)